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Finanzkrise

Wie kam es zur Finanzkrise?

Beim Entstehen der Finanzkrise handelt es sich um einen komplexen Sachverhalt, dessen vollumfängliche Darstellung den Rahmen dieser Seite sprengen würde. Auch im Interesse einer besseren Verständlichkeit werden bei der folgenden vereinfachten Darstellung nur ausgewählte Ursachen und Zusammenhänge aufgeführt.

Kapitalschwemme auf der Suche nach Rendite


Vor der Krise waren die Zinssätze weltweit über einen längeren Zeitraum vergleichsweise niedrig. Einerseits reagierten die Zentralbanken vieler Länder mit niedrigen Leitzinsen auf ungewöhnlich niedrige Inflationsraten. Zum anderen stimulierte die US-Notenbank gezielt die Konjunktur, z.B. nach der geplatzten Blase bei den Technologie- und Internet-Werten im Jahre 2000.

Zudem entstanden in den letzten Jahren weltwirtschaftliche Ungleichgewichte. Die fortschreitende Globalisierung verhalf um die Jahrtausendwende vielen Volkswirtschaften, vor allem in Ostasien und im Nahen Osten, Kapital anzusammeln. Die Devisenreserven vieler dieser Staaten wuchsen gewaltig, ebenso wie die Sparguthaben der privaten Haushalte und Unternehmen. Aufgrund fehlender Investitionsmöglichkeiten im eigenen Land wurde das Kapital vornehmlich in US-Staatsanleihen oder in höherverzinslichen verbrieften Forderungen angelegt. Der Großteil dieser verbrieften Forderungen basierte auf Hypothekenkrediten der halbstaatlichen US-Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac. Diese Anlageformen galten als sicher und leicht wiederzuverkaufen. Die hohe Nachfrage nach diesen Wertpapieren ließ deren Renditen sinken. Die Investoren, denen die geringe Rendite nicht ausreichte, suchten nach neuen Anlagemöglichkeiten.

Verbriefungen von Immobilienkrediten – Subprime Hypotheken


Zur gleichen Zeit sorgten die niedrigen Zinsen und demzufolge niedrige Finanzierungskosten für steigende Hauspreise in den USA. Unter dem Eindruck, dass die Preise stetig weiter steigen würden, begannen die Hypothekenbanken, Hypothekenkredite an einkommensschwache Kunden zu vergeben, die nicht über eine ausreichende Kreditwürdigkeit verfügten. Viele ließen sich locken und kauften Häuser, die sie sich eigentlich nicht leisten konnten. Dazu nahmen sie Kredite auf, deren Zinssatz sich am Leitzins orientierte und sich mit diesem ändern konnte. Die Hypotheken, die an diese Kreditnehmer mit schlechter Bonität ausgegeben wurden, werden als "Subprime-Hypotheken" bezeichnet. Im Vertrauen auf stetig weitersteigende Immobilienpreise gingen die Hypothekenbanken davon aus, dass die Schuldner in wenigen Jahren ihre Darlehen aufgrund des dann höheren Wertes der als Sicherheit dienenden Immobilie refinanzieren könnten. Andererseits nutzten die Hypothekenbanken eine Möglichkeit, das Risiko eines Kreditausfalls an Andere weiterzureichen. Sie verkauften ihre Kreditforderungen - also die Zahlungsansprüche an die Schuldner und das dazugehörige Risiko des Kreditausfalls - an Investmentbanken. Diese schnürten alle Forderungen zu Paketen zusammen (sogenannte Verbriefungen und teilten diese Pakete in Schichten (sogenannte Tranchen) mit unterschiedlichem Ausfallrisiko auf. Investoren konnten nun in Anleihen investieren, deren Zahlungen und Risiko an die einzelnen Tranchen gekoppelt waren. Um die Anleihen bei Investoren platzieren zu können, wurden diese Papiere von Ratingagenturen bezüglich ihres Ausfallrisikos beurteilt.

Rendite ohne Risiko?

Die Investmentbanken verkauften die Verbriefungen an Investoren, vor allem Banken und Hedge Fonds in aller Welt. Wegen der niedrigen Rendite der sicheren Anlagen, wie Staatsanleihen, und dem hohen Volumen an vorhandenem Anlagekapital nahmen die Investoren für die Aussicht auf einen höheren Ertrag ein höheres Risiko in Kauf. Das tatsächliche Risiko einer Verbriefung war aber oftmals gar nicht ersichtlich, da die Investoren die Bonität der Kreditkunden, deren Forderungen sie im Paket ankauften, gar nicht kannten und auf das Rating der Verbriefung blind vertrauten.

Da die Hypothekenbanken das Ausfallrisiko der von ihnen vergebenen Kredite einfach weiterreichen konnten, blieben für sie die Kosten im Falle eines Kreditausfalls gering. Sie hatten daher wenig Grund, Darlehensanträge streng zu prüfen. Die hohe Nachfrage nach verbrieften Krediten versprach lukrative Gewinne. Dies führte dazu, dass die Banken immer mehr Subprime-Kredite vergaben und die in den Verbriefungen enthaltenen Kredite ein immer größeres Risiko mit sich führten. Wegen der weitersteigenden Immobilienpreise stieg auch der Wert der Immobilien als Kreditsicherheiten. Die Banken nutzten diese Entwicklung, um den Schuldnern Zusatzkredite zu verkaufen, die diese für den Kauf von Gütern und Dienstleistungen nutzten. Der Konsum der US-Amerikaner heizte so lange Zeit die amerikanische, aber auch die globale wirtschaftliche Entwicklung an.

Die Blase platzt

Im Juni 2004 begann die amerikanische Notenbank, ihre Leitzinsen wieder zu erhöhen. Die Notenbanken in vielen Ländern zogen nach. Zentralbankgeld wurde teurer. Mit dem Leitzins stiegen in den USA auch die Zinsen, die für Hypothekenkredite zu zahlen waren. Einkommensschwächere Kunden konnten ihre Bankdarlehen nicht mehr bedienen, die Kredite fielen aus. Durch die zunehmende Zahl ausfallender Kredite, standen mehr und mehr Häuser zum Verkauf. Folglich sanken die Immobilienpreise. Der Plan, Kreditausfälle durch den Verkauf der Immobilien zu kompensieren ging nicht mehr auf. Ab dem Jahr 2007 verloren die Verbriefungen der Investoren massiv an Wert. Gleichzeitig blieben die Banken auf ihren Hypothekenpaketen sitzen. Durch den weltweiten Verkauf der Verbriefungen gerieten Banken über die Grenzen der USA hinaus überall auf der Welt in Schieflage. Die Wertverluste der Verbriefungen gingen unmittelbar in die Bankbilanzen ein und minderten das Eigenkapital der Banken. Um das gesetzlich vorgeschriebene Eigenkapital aufbringen zu können, mussten die Banken entweder neue Aktien ausgeben oder andere Wertpapiere verkaufen. Da dies viele Banken betraf, kam es zu einem Überangebot an Wertpapieren im Markt, für die es keine Käufer gab. Dadurch sank der Wert dieser Papiere nicht nur auf dem Markt, sondern auch in den Bilanzen anderer Banken, die diese Wertpapiere hielten. Da unklar war, wie viele versteckte Verluste aus Verbriefungen in den Bankbilanzen schlummerten, begannen die Banken einander zu misstrauen. So wurden immer weniger Kredite zwischen den Banken vergeben. Weltweit mussten die Zentralbanken einspringen und ihre Kreditvergabe an die Banken erhöhen. Im Jahr 2008 erfasste die Vertrauenskrise im Bankensektor auch andere Finanzmärkte. Zusätzlich erlebte der Konsum der US-Haushalte einen drastischen Einbruch, weil die gesunkenen Hauspreise und gestiegenen Zinsen ihren finanziellen Spielraum verringerten. So erreichte die Krise schließlich die Realwirtschaft, in Industrie- und in Schwellenländern.